Über hermeneutische Prinzipien:

Wir leben in der Welt: in der Geschichte, in der Konkretion: Wir leben nirgendwo anders und alle Bedeutung ist nur Bedeutung in Verbindung zur besonderen, historischen Existenz.

Unsere Existenz als Wesen beinhaltet: unsere Situation, unser Handwerkzeug mittels dessen wir die Welt manipulieren und artikulieren und unser Vorverständnis der Welt. Wir teilen die Welt durch gewöhnliche Symbole. Wir können nicht die Welt eines anderen teilen außer durch die Mediation unserer symbolischen Welt – das ist z.B. ein Text mit einem oder mehreren Kontexten. Wenn jemand einen anderen „versteht“ bedeutet das, dass er sehr stark in den Symbolen und Kontexten dieser anderen Person lebt.

~ von temporarilysilent am August 21, 2008.

4 Antworten to “Über hermeneutische Prinzipien:”

  1. Hälst Du es für möglich, dass das Vergegenwärtigen von Strukturen aus dem tief verinnerlichten Bedürfnis nach Konkretisierung gründet?

    Oder könnte man gar Konkretisierung und Vergegenwärtigung von Strukturen gleichsezten?
    Das eine etwas allgemeiner, das andere etwas spezifischer, konkreter bezogen.

    ps : stimme Deinen Gedanken im Blog zu

  2. Hallo Genussdenker,
    meines Erachtens geht es um die konkrete Symbolisierung von Strukturen:
    Das, was unsere Realität, unsere symbolische Welt konstituiert, hat eine Grenze, hinter die wir nicht „sehen“ können. Der Text selbst als Intention hat eine symbolische Struktur, hat seine eigenen Horizonte. Die Differenz der Horizonte wird zum Fokus für das Problem historischer und kultureller Interpretation.

  3. Hi Genussdenker,

    gut so ein gedanke,
    wunderbar auf den punkt gebracht, was „uns davon abhält dahinter zu sehen“.
    zum letzten satz der hermeneutischen prinzipien,
    empfinde ich etwas einseitig/ verschoben.
    würde ich persönlich ergänzen
    gemeinsame symbolik oder sich in teilen wiederfindet oder ect.

    liebe grüße!!
    anabell

  4. @Temp :
    Ja, so wie in Deiner Antwort beschrieben, verstand ich den Beitrag auch. Und stimme dem inhaltlich zu.
    Es ist also auch eine Frage des Erfahrungshorizont. Ich nenne es oft „gewahr werden“. Dieses „gewahr werden“ betrifft sämtliche Ebene unser Erfahrungsmöglichkeiten. Dieses „gewahr werden“ ist eine Art Syntax um Dinge überhaupt erfassen zu können. Doch dabei muss das Erfahrene nicht zwingend die genannten Ebenen gemäss Stufen durchlaufen. So kann das Erfahrene durchaus subtil bleiben.
    Doch irgendwie haben wir Menschen einen Drang nach Konkretisierung, der sich in der Symbolisierung manifestiert. Möglicherweise ist dieser „Drang“ darauf zurückzuführen, dass wir eben über diese Ebenen/Stufen ausgeprägt verfügen.

    @Anabell :
    Hier liegt wohl ein kleines Missverständnis vor. Und zwar richtest du die Antwort formell an mich. Inhaltlich jedoch an Temp.
    Dieses Missverständnis finde ich irgendwie noch interessant. In der Frage – was überwiegt, das Formelle (symbolische) oder das Inhaltliche? Unseres Beispiel würde Zweiterem Recht geben.

    Interessante Ergänzung, übrigens.

Eine Antwort schreiben